Deine Idee – und jemand anderes hat Erfolg damit. Wie konnte das passieren?

Es gibt diesen Moment. Du siehst es. Jemand anderes präsentiert deine Idee – mit Begeisterung, mit Selbstverständlichkeit, mit Erfolg. Und du sitzt da und denkst: Warte mal kurz. Das war doch…

Ja. Das war deins.

Die stille Enteignung

Ich kenne dieses Gefühl gut. Es ist mir passiert. Nicht einmal. Öfter.

Eine Idee die ich hatte, ausgesprochen habe, geteilt habe und dann war sie weg. In anderen Händen. Mit anderem Namen. Manchmal im kleinen Rahmen, manchmal mit mehr Erfolg. Und ich? Ich stand daneben und schwieg. Oder ich habe es leise, im Einzelgespräch, mit anderen Personen besprochen. Unter vier Augen. Im Stillen.

Und somit ist es das geblieben was es ist: ein Geheimnis

Das ist kein Zufall – das ist ein Muster

In den letzten Jahren habe ich mich intensiver mit Feminismus beschäftigt. Nicht nur als politisches Statement, sondern weil ich irgendwann aufgehört habe, Dinge als Zufall zu bezeichnen die keiner sind.

Frauen haben über Jahrhunderte Dinge erfunden, entdeckt, gedacht und Männer haben ihren Namen darunter gesetzt. Meistens bewusst. Und es passiert bei modernen Männern immer noch oft unbewusst. Das macht es nicht besser. Es macht es nur schwerer zu benennen.

Rosalind Franklin fotografierte die DNA-Struktur. Watson und Crick bekamen den Nobelpreis.

Lise Meitner entdeckte die Kernspaltung. Otto Hahn bekam den Nobelpreis.

Hedy Lamarr entwickelte die Grundlage für WLAN und Bluetooth. Die Welt kannte sie als Schauspielerin.

Das sind keine Ausnahmen. Das sind tief verankerte Überzeugungen über die viele noch immer nicht nachdenken und als gegeben nehmen.

Diese Überzeugungen leben weiter. In Meetings. In Teambesprechungen. In Gesprächen unter Freunden. Mein Mann benannte meine Idee manchmal als „unsere Idee“ oder präsentiert im ungezwungenen Gespräch meine Idee und gibt dem Gegenüber automatisch das Gefühl als wäre es seine. Ganz beiläufig, ohne böse Absicht. Er merkt es nicht einmal. Aber ch merke es. Und mittlerweile sage ich es auch.

Das war früher anders.

Das Schweigen der Frauen

Wir wollen nicht unangenehm auffallen. Wir wollen nicht kleinlich wirken. Wir denken: Es ist doch nur eine Idee. Er meint es nicht böse, Früher oder später werden es die Leute erfahren… Es ist doch jetzt im Moment nicht so wichtig.

Aber es ist wichtig. Nicht weil es ums Rechthaben geht. Sondern weil Ideen Kapital sind. Intellektuelles Kapital. Das Fundament von dem aus Businesses, Karrieren und Reputationen gebaut werden.

Wenn du deine Ideen nicht schützt – nicht laut machst, nicht sichtbar machst, nicht beanspruchst – gibst du dieses Kapital gratis ab.

Und das ist ein Problem das über das persönliche Unbehagen weit hinausgeht.

Was ich heute anders mache

Ich schweige nicht mehr im Stillen. Ich berichtige. Direkt & klar.

Das ist manchmal unangenehm, manchmal eine komische Stille im Raum. Aber es ist notwendig.

Und ich teile mein Wissen anders. Nicht weniger, aber bewusster. Nicht alles gehört in jedes Gespräch. Nicht jede Idee muss sofort ausgesprochen werden bevor sie Form hat. Nicht jedes Konzept muss gratis auf den Tisch. Ich teile das wichtigste mit einem engen Kreis aus Vertrauten.

Das hat nichts mit Geiz zu tun. Das hat mit Selbstwert zu tun.

Für dich

Wenn du eine Unternehmerin bist, eine Gründerin, eine Frau die etwas aufbaut dann frage dich ehrlich:

Wie oft hast du eine Idee geteilt und sie dann woanders gesehen?

Wie oft hast du geschwiegen obwohl du hättest sprechen sollen?

Wie oft hast du dein Wissen verschenkt weil es sich unhöflich angefühlt hätte, einen Wert darauf zu setzen?

Dein Wissen ist nicht gratis. Deine Ideen sind nicht gratis. Deine Erfahrung aus deinem Handwerk, aus deinem Alltag, aus Jahren von Trial and Error – ist nicht gratis.

Sie hat einen Wert. Und der beginnt damit, dass du ihr einen gibst.

Das ist der erste Artikel einer Serie über den Wert von Wissen – für Frauen die etwas aufbauen, die etwas können und die aufgehört haben, das zu verstecken.

Cynthia begleitet Gründerinnen und Unternehmerinnen beim Aufbau ihres digitalen Auftritts – mit echten Bildern, durchdachten Websites und dem Mut, sichtbar zu werden.